Ganz schön spritzfindig, die Ariane

Ariane BerlinAufmerksam und höchst sympathisch verlief die zehnminütige Terminfindung am Telefon, wofür ich meinen Lieblingsspringbrunnen in den Ceciliengärten wählte, um mich durch sein monotones Plätschern etwas von meiner Unsicherheit ablenken zu lassen. Wir schrieben uns schon eine zeitlang per Mail. Ariane verfolgte meine ausführlichen Erlebnisberichte mit anderen Damen und ließ sich für ein ganz besonderes Arrangement begeistern, was sie selbst in ihrem Forum wie folgt beschreibt: „ich warte noch auf ein angekündigtes Treffen mit einem Herrn, der mir statt eines Honorars ein ganz besonderes Buch mitbringt und wir uns einen besonderen Wunsch erfüllen: ein ausgiebiger Blow-Job in einer Wall-Toilette meiner Wahl.“

Da wir beide schriftstellerische Ambitionen hegen und wir beide gerade ein Manuskript in der Mache haben, wie das im egozentrischen Branchen-Wichtigtuer-Sprech genannt wird, unterbreitete ich den Vorschlag zum Text-Tausch: inkognito, an der Glienicker Brücke, wo einst Ost und West ihre Spione auswechselten. Nein, wir einigen uns auf den Hackeschen Markt zum bedruckte-Blätter-Transfer. Bei einem Kaffee. Wirklich nur meinen Roman mitzubringen, fand ich einfach zu geizig. Und so wurden es vier Aufmerksamkeiten: 1. Le(c)ktüre – mein versprochenes Manuskript, 2. Literatur – das geniale Buch „Pornostar“, das die Erotikindustrie urkomisch verhohnepipelt, 3. Liquides herzlich werden lassen – eine Form, mit der man Eiswürfel-Herzen herstellt, und 4. ein Lebendgeschenk – eine Pflanze, die verschwiegen und extrem tolerant ist, die sogar Arianes Aktivitäten als Zuschauer beizuwohnen versteht ohne rot zu werden.

Vor einigen Wochen hatte ich bereits die Gegend um den Alexanderplatz nach nicht videoüberwachten Wall-Toiletten ausgekundschaftet. Der Erfinder, Herr Wall, nennt diese hygienisch einwandfreien Bedürfnisanstalten – sie werden nach jedem Toilettengang automatisch gereinigt – Stadtmöbel. Es existieren weit mehr Stadtmöbel in West- als in Ostberlin. Müssen Ostberliner weniger auf die Toilette? Gibt es also tatsächlich zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch Unterschiede? Und dann gleich so was Gravierendes! Kameras auf der Toilette wären ein Fall für den Datenschutzbeauftragten. Kameras davor dienen der Sicherheit. Wir wollen nun nicht die gesamte Öffentlichkeit an unserem Tun teilhaben lassen, was eine exakte Recherche notwendig machte. Es folgt unsere Wall-Toilettenempfehlung für Berlin: wählen Sie die Örtlichkeit am Berliner Dom – dann schaut nur Gott zu.

Es ist 12.10 Uhr. Studierten Frauen wie Ariane billigt man ja gerne das akademische Viertel an Verspätung zu, aber wie ich da so unverrichteter Dinge am Zeitungskiosk des Hackeschen Markts stehe und mir die chemiegeschwängerten Duftnoten von Fertigbackwaren in die Nase wehen lasse, ergreife ich mein Mobiltelefon, um sicherzugehen nicht gerade versetzt zu werden. „Hallo, wolltest mich wohl gerade anrufen? War eine lange Nacht bei mir gestern. Du siehst doch nichts davon, oder?“, werde ich so lebendig begrüßt, dass ich meine Wartezeit im Nu vergesse. Wir schlendern in ein nahegelegenes Cafe, das seinen Einnahmeüberschuss Touristen verdanken dürfte.

Da heute der heißeste Tag des Jahres in Berlin sein soll, steuern wir ein schattiges Plätzchen an. Ariane bestellt Cola und strahlt neben Selbstsicherheit, einen großen Escort ArianeHang zum Humor aus, der mich gleich für sie einnimmt. Eine Frau, die mit Menschen umzugehen weiß, die Intelligenz mit Verrücktheit paart, die vielseitig aktiv und neugierig ist. „Ich bin ja nur `ne Bums-Else“ erweist sich nach kurzem Zusammensein als eine ihrer Lieblingsfloskeln und so plaudern wir ohne Pause abwechselnd auf uns ein. Arianes skurrile Ideen außerhalb ihrer aktuell ausgeübten Tätigkeit, begeistern schnell meine Theaterseele, da ich in diesem Milieu sozialisiert wurde. Sie plant en suite-Aufführungen in einem Londoner Theater, in der sie die Hauptrolle spielen wird. Und wie ich sie so erzählen höre, vielleicht eine Idee zu laut, vielleicht eine Idee zu mitreißend für die um uns herum sitzende Touristenschar, scheint sie ganz in ihrem Element. Ihr Temperament macht Laune.

Ich erfahre von ihrem Kurzengagement bei Molly Luft, einer der stadtbekannten Huren Berlins, die einst auf TV-Berlin die geschmackloseste Sendung nach Tutti-Frutti im deutschen Fernstehen präsentierte. Damaliger „Höhepunkt“: Molly Luft entblößte am Ende ihrer regelmäßigen Fernsehshow ihre Oberkörper-Preziosen mit dem Spruch: „so, damit ihr was zu wichsen habt.“

Ariane hält gerne Augenkontakt, vergewissert sich, dass sie Interesse am Gegenüber hervorruft. Ich fühle mich gut unterhalten. Ariane streut so ganz nebenbei mal eine Fangfrage oder eine falsche Behauptung ein, um auszutesten, ob ihr Gesprächspartner Zeitungsabonnent oder zumindest nicht gänzlich auf den Kopf gefallen ist. Das geschieht aber so nonchalante, dass es bei mir Heiterkeit auslöst und keiner Prüfungssituation gleichkommt.

Ariane bestellt einen Milchkaffee. Die Finanzmarktkrise mag man ja als sensibler Beobachter des Zeitgeschehens einordnen können, aber kennen Sie die Akteure des Börsenspielkasinos persönlich? Ariane kennt einige von ihnen im unbekleideten Zustand. Und nackt geben bekanntlich die wenigsten Leute eine gute Figur ab – selbst die Haute-Volaute nicht, wie der Berliner scherzhaft sagt. Details über Schmerbäuche oder körperliche Anomalien verrät Ariane mir leider nicht, dafür erzählt sie etwas über die Arroganz im Umgang dieser Leute mit Sexarbeiterinnen, was sehr viel mehr über die Männer an der Spitze unserer Gesellschaft verrät.

Es sind tatsächlich schon gut zwei Stunden vergangen. Zwei Lebenskünstler unterhalten sich über das Leben, das Überleben, die schmerzhaften und die fröhlichen Seiten der menschlichen Existenz. Für mich verging die Zeit wie im Flug. Ich bezahle die Rechnung und wir machen uns per pedes auf zum Spritztatort, zum originären Grund unseres Treffens. Ich fotografiere sie noch schnell mit ihrem Handy, wie sie im Cafe in ihrem weißen Premiummarken-Minirock lasziv hockt. Dann machen wir uns auf zum Wall-WC am Berliner Dom. Zwischendurch erreichen sie noch einige Telefonanrufe von Kunden, die nur bei nicht unterdrückter Nummer angenommen werden. Ich erlebe Ariane nun vor allem als eine Frau, die gut zuhören kann, die schnell die Stimmungslage und Wünsche der Männer erfasst, um darauf adäquat zu reagieren. Bei mir verfestigt sich der Eindruck hoher Professionalität. Und das an ihr, wie an fast allen seriös arbeitenden Damen, eigentlich eine gute Psychologin verloren gegangen ist.

Escort ArianeWir erreichen das Wall-WC unserer Wahl am Berliner Dom. Ariane imitiert geradezu köstlich x-beinig eine Frau, die wirklich dringend mal muss und schon öffnet sich nach meinem 50-Cent-Münzeinwurf die Flügeltür zu unserem Kurzzeit-Liebesnest. Wall-WCs erfreuen mit hygienischer Unbedenklichkeit, nerven jedoch mit monotoner Musik, der jeder Besucher chancenlos ausgeliefert ist. Ich wasche mir mein gewachsenes Anhängsel in der Körpermitte, während sich Ariane ihres Oberteils entledigt, mir ihre Brust entgegenstreckt und sich schon bald auf die Knie begibt, um sich ihrem Fachgebiet zuzuwenden. Wir blödeln ein wenig. Ariane schenkt mir einen sehr willkommenen Deep-Throat, bearbeitet gekonnt die Eichel und lässt dabei weder meine beiden Hoden noch meinen Penisschaft ungeleckt davonkommen. Einige Geräusche außerhalb unserer „aseptischen Liebeshöhlenlandschaft“ lassen mich kurz die Konzentration verlieren, was jedoch Ariane schnell wieder steif lutscht, sodass ich nach vielleicht fünf Minuten meinen Glibber los werde. Ich platziere den Beweis, dass ich mich wirklich gut behandelt fühlte, wie gewünscht auf ihre Oberlippe und ihr Kinn. Kurzer Griff zu ihrem Handy. Eine kleine Fotosession mit Sperma in den Mundwinkeln beendet unser langes Beisammensein, was ich in vollen Zügen genoss.

„Sind wir soweit? Haben wir nichts vergessen?“, frage ich besorgt, bevor wir die Spritzstätte verlassen. Mein Jeansreißverschluss ist wieder nach oben gezippt und Ariane hat sich die etwas bitter schmeckende Masse aus meinem Alimentenkabel, was sie dezent kritisiert, abgewischt und ihr Oberteil wieder angezogen. „Dabei habe ich gestern extra auf Alkohol verzichtet und nur Selters mit Cranberrysirup getrunken, damit ich dir die Angelegenheit versüße“, gebe ich bedauernd zu bedenken. Ein Tourist vorm Wall-WC sieht uns erschrocken an, als wir gemeinsam das WC verlassen, was Ariane wie folgt kommentiert: „ist doch ganz normal – Ehepaare müssen immer gemeinsam!“ Erst wenn der Tourist von diesem Erlebnisbericht erführe, wüsste er, dass er die Gelegenheit verpasste Ariane um ein Autogramm zu bitten.

Am Hackeschen Markt trennen sich unsere Wege, es ist nach 15:00 Uhr. Ich habe über drei Stunden mit dieser tollen Frau verbringen dürfen. Für mein Manuskript, für ein paar von Herzen kommende Geschenke, für eine Idee. Ich verabschiede mich von Ariane dankbar für die gesprächsintensiven Stunden und sie sieht mir an, dass ich am liebsten gar kein Ende finden würde.

Buchen kann man Ariane übrigends direkt über ihre Homepage.