Bundesverficktkreuz am steifen Bande

Pornofilmkritik: „Love & Sex, the Parade 2008“ (Inflagranti Reality)

InflagrantiDas waren noch Zeiten als bei der Love-Parade in Berlin die Ampelmasten auf dem Kudamm gekapert wurden (das gefiel den Politikern nicht). Dann wich man auf die Straße des 17. Junis aus, wo im angrenzenden Tiergarten öffentlich gevögelt und uriniert wurde (das gefiel den Politikern auch nicht). Also ekelte man die Veranstalter systematisch von Berlin weg (das gefiel den Politikern nach einem längeren Denkprozess irgendwie wieder nicht so richtig, denn die Kaufkraft der vielen angereisten Techno-Jünger ging so der Hauptstadt flöten).

Im Jahr 2008 fand die Love-Parade in Dortmund statt, wo man mitten auf der Straße zu übersteuerten Bässen tanzte und unerlaubte Drogen konsumierte, um nur ja lange durchzuhalten. In diesem Pornofilm begleiten wir die zwei stinknormalen, natürlichen Berliner Darstellerinnen Romana und Betty, sowie die allürenbeschwerte, überschätzte Aktrice Jana Bach auf den Weg nach Dortmund. Im gemieteten Transporter, mit Jeremy und Lukas als Fahrer und Beifahrer. Sie kurven vom Hinterhofdomizil ihrer Berliner Produktionsfirma Inflagranti in der Kreuzberger Blücherstraße los.

„Hallo, die Familie Inflagranti auf den Weg nach Dortmund“, spricht kaugummikauend der Chef- Kameramann Tim ins Objektiv. Und wir werden Zeuge von allerlei Albernheiten unter der Gruppe, bis sie auf ihrer langen Autofahrt ins Ruhrgebiet endlich am Zielort ankommen. Hier filmt man das tanzende, freizügige, aber unspektakuläre Straßengeschehen mit … allerdings mit einer kleinen Besonderheit. Alle Gesichter sind verfremdet. Klar, sonst würden sie ja ungefragt in einem Pornofilm auftauchen, für die sie niemals ihr Einverständnis gaben.

Love & Sex, the Parade 2008In einem etwas abseits gelegenen gelben Telefonhäuschen, die sind in Berlin schon längst abgebaut und aus dem Straßenbild verschwunden, macht sich Ramona blasend ü̈ber das Geschlechtsorgan des Berliner Pornodarstellers Patrick her, der sich auf  öffentliche Bumsereien spezialisierte und das erstaunlich problemlos zu realisieren versteht. Alles eine Frage der perfekten Konditionierung und des Talents. Eine Ausnahme-Erscheinung. Dafü̈r gebührt ihm eigentlich das Bundesverficktkreuz am steifen Bande. Herr Bundespräsident hören Sie?

Ramona ist eine verdammt attraktive, lebenslustige Blondine, mit sensationellen Körpermaßen. Die Beiden gehen locker, spaßig, sich ihrer gegenseitigen Erregung sicher miteinander so um, dass es beim Zuschauen die helle Freude ist. Immer wenn gerade jemand an der Straße vorbeiläuft, macht ein Adjutant der Produktionsfirma schnell die Tür des Telefonhäuschens zu, sonst droht eine Anzeige wegen Erregung eines öffentlichen Ärgernisses, wie das im Amtsdeutsch lautet. „Wat fickt ihr denn da in der Telefonzelle?“, ruft ein Jugendlicher, als er mit seinen Kumpels vorbeikommt. Ramona und Patrick ziehen schwuppdiewupp ihre Reißverschlüsse zu und schauen so brav wie sie nur können. Echt witzig.

Man verlegt den Geschlechtsverkehr schnell in einen angrenzten Park, der ein klein wenig günstigere Verhältnisse bietet, dennoch schwingt die Gefahr des Entdecktwerdens immer mit und ist Teil des großen Reizes, den das Miteinander auslöst. Patrick spritzt am Ende sehr schön auf Ramonas rechte Titte und das verschmitzte Gesicht, dass sie beide diesen Halböffentlichkeitsfick ohne Ärger hinbekamen, sieht man ihnen an. So einen gutgelaunten, fröhlichen Fick von einer professionellen Produktion habe ich fast noch nie gesehen.

Es hat ein wenig zu nieseln begonnen, die nur schwer einsehbare Rasenfläche der Vorszene erwies sich als günstig, sodass nun Pornomann Lukas die flachtittige Betty flachlegt. Noch ein wenig vom Techno-Rhythmus angefixt, legt Betty scherzend mit einer oralen Schwanzvergewohltätigung los und man agiert, sicherheitshalber halb angezogen, damit man sich schnell wieder in die bürgerliche, textile Maskerade schmeißen kann, aufeinander eingestimmt. Das ist von Lukas, zumal man ja ständig die Gefahr des Entdecktwerdens im Nacken hat, eine nicht zu unterschätzende Leistung. Dann kommt noch eine leichte Kühle durch den Regen hinzu. Ein wenig Angst im Nacken, ein paar Spanner, dann noch das nervöse Kamerateam … also da zieht man doch echt den Hut, vor dem was Lukas und Betty hier an sexueller Höchstleistung abrufen. „So, jetzt fick mich ma so richtig durch, ey“, weist ihn Betty an und der holt alles raus, was ihn im steckt. „Schön in mein Maul, nicht“ – „Ja, ein Momentchen noch.“ Er kommt gerade noch im richtigen Augenblick auf ihre Lippen, bevor eine jugendliche Gruppe ihren Bemühungen ohnehin ein jähes Ende gesetzt hätte. Puh, Glück gehabt.

Mit Lackgesichtsmaske identitätsverschleiert tanzt Jana Bach im letzten Gig und entblößt auf der regennassen Fahrbahn liegend ihren kleinen Naturbusen, der infolge der Kühle steife Nippel zeigt. Es geht an die altbeä̈hrte Gebüschstelle, wo erneut Lukas seinen Mann zu stehen hat, während sich Jana Bach in aller Gemütsruhe an einen dicken Baumstamm lehnt und ihn hinten bei sich mal machen lässt.

Die Abenddämmerung bricht ein. Lukas und Jana poppen längst nicht mehr nur vor der Produktionscrew, sondern vor diversen männlichen, mit einer Bierflasche in der Hand leicht alkoholisierten Zuschauern,  die auf cool machen. Als ob man jeden Tag einen Berliner Pornostar wie Jana Bach im Park beim Ficken beobachten könnte. „Der leckere Schwanz kam jetzt und die Bullen gleichzeitig“, die Kamera schwenkt auf das Polizeiauto. Und Jana Bach fährt fort: „wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß“ und lutscht noch ein wenig an dem neben ihr gerade ejakulierten Schwanz. Die Kamera schwenkt auf die jugendliche Zuschauergruppe, deren Gesichter gepixelt sind. Und ein Bier-in-der-Hand-Halter resümiert: „echt geile Performance – das ist die Loveparade wie sie leibt und liebt.“