Wenn Frauen Männer quälen – Teil 2

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Nr.33 weiß, wer hier das Sagen hat

Dass das Verhältnis von Domina und devotem Mann durchaus widersprüchlich sein, zum Teil sogar paradoxe Züge aufweisen kann, wird sich später noch zeigen. Aber es ist und bleibt eine skurrile Aufführung. Es mutet zwischendurch an wie Theater. Nur dass die Rollen mit Haut und Haaren gespielt werden. Beide Seiten sind ineinanderverstrickt, ein jeder braucht den anderen. Die Abhängigkeiten sind gegenseitig, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als hielte Syonera allein die Zügel in der Hand.

„Ich zähle bis acht, dann muss 7 kommen.“ Syonera beginnt zu zählen. „1…2…3…4…5…6…7…7 ½….7 ¾….8.“ Nichts ist passiert. 7 hat den Befehl verweigert. „Geh die Peitsche holen“, schnarrt sie ihn an. „Dafür gibt es 70 Hiebe.“ 7 kommt mit der Peitsche zurück, händigt sie aus und stellt sich mit erhobenen Armen an den Pranger. Syonera holt aus und lässt die Peitsche mit voller Wucht auf den nackten Hintern niederfahren. 7 stöhnt auf vor Schmerzen. Sofort zeichnen sich rote Striemen auf der Haut ab.
„Du darfst mitzählen“, raunzt Syonera und holt wieder aus. Dabei tänzelt sie auf und ab und schlägt mal von der rechten, mal von der linken Seite. So geht das tatsächlich 70 mal. Der Hintern von 7 glüht.

„Leidest du gerne für mich?“ fragt sie ihn. „Ja, meine Göttin.“ „Wenn ich jetzt über deinen Arsch pisse, dann wird es sicher schön zischen. Los, leg dich auf den Boden.“ Sie stellt sich über ihn und pinkelt ihn an. „Dreh dich um.“ Jetzt pinkelt sie ihm in den Mund. 7 verschluckt sich. „Bedanke dich!“ „Danke, Göttin für die Aufmerksamkeit, die Sie mir entgegengebracht haben.“ „Wollen doch mal sehen, ob du jetzt gehorchst.“ Sie zählt erneut. 7 macht es sich selbst. Diesmal gelingt es ihm. Er kommt. „Natürlich muss du die Wichse essen“, schnauzt sie ihn an. 7 gehorcht. Dann darf er abtreten.

„Er mag das nicht, aber das muss er aushalten“, meint sie zu mir, und ich ahne, dass das etwas mit dem heiklen Punkt der drohenden Machtverschiebung zu tun hat. Zwischendurch muss die Göttin eben deutlich machen, wer hier das Sagen hat.

„Die Männer kommen zu mir, um sich von ihrem hohen Roß, auf dem sie sitzen, runterholen zu lassen. Irgendjemand muss die ja mal von da oben stürzen. Oft sind es Männer aus Positionen, in denen jeden Tag viele Entscheidungen getroffen werden müssen, Positionen mit einer  Verantwortung. Die Nacht hier im fensterlosen Bunker, in dem dreckigsten Verließ auf der harten Matratze neben einem Eimer, das ist für die dann wie 14 Tage Urlaub.“

Abtransport zur "Behandlung"...

Ein interessanter Gedanke: Das Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung, das Ringen um Einfluß, hierarchischen Aufstieg, Geld, Kompetenz und was da noch so alles mitschwingt in dem großen Einmaleins der so genannten Selbstverwirklichung findet sein adäquates Gegenüber in dem düsteren Keller einer Domina. Um es „dort oben“ in der Normalität auszuhalten, bedarf es offenbar hin und wieder eines Ausgleichs in den Niederungen eines verrotteten Verlieses. Was die Männer bei Syonera von Styx suchen, scheint mir der Reflex auf einen Alltag zu sein, der tief im Inneren, vielleicht gar nicht mal bewusst, als Zumutung, als widersinnig empfunden wird. Möglicherweise ist der Alltag, in dem Konkurrenz und Verantwortung die Richtung vorgeben, vielen Menschen fremder als sie es zugeben können. Hier, in dieser dunklen Fantasiewelt, öffnen sich Türen zu Räumen, in denen Männer meinen können, wieder zu sich zu gelangen.

Syonera hat diesen Dreh beendet. Wir verlassen den Keller. Oben wartet schon ein weiterer Mann, ein korpulenter Kerl Ende dreißig. Syonera nennt ihn 33. Er ist eben erst eingetroffen, angereist vom Schwarzwald. Und noch ein anderer Mann kommt dazu. Er nennt sich Ralf. Er bekommt von Syonera keine Nummer. „Wieso nicht?“ will ich wissen. „Mir ist nicht danach“, meint sie.

Ralf ist etwas kleiner als 33, auch nicht so massig, eher drahtig. Er wieselt um das Bufett, trinkt ein Glas Cola. Nummer 33 ist gerade dabei, sich umzuziehen. Er arbeitet als Maschinenbauer in der Materialprüfung und hat die weite Strecke vom Schwarzwald zurückgelegt, weil er gerne mal als Darsteller mitmachen will.

„Das ist eine besondere Herausforderung, außerdem ist es umsonst“, wobei er die Kosten für das Benzin außer Acht lässt. Auch er hat sich die Kopfmaske übergezogen, dazu Lederweste und kurze Hose.

Neuer Drehort ist der Raum mit der Streckbank. Syonera hat sich umgezogen. Schwarzes Top, dazu eine Leggins mit Leoparden-Muster. 33 muss sich ausziehen. Seine Füße werden in die Halterung eingespannt, seine Arme gefesselt und mit der Rolle am Kopfende angezogen. So ausgestreckt liegt 33 völlig wehrlos da. Seine wuchtiger Bauch ragt auf.
Syonera steckt ihm zwei Kontake an die Brust und spielt an dem Regler eines schwarzen Stromkästchen. 33 windet sich vor Schmerzen. Er versucht, nicht zu schreien. Aber er jault vor sich hin. „Ich liebe es zu foltern“, jauchzt sie auf und spuckt 33 in den weit aufgerissenen Mund. Der ganze Körper zuckt, 33 gurgelt, stöhnt. „Das ist Musik in meinen Ohren.“

Syonera hat sich aus der Kiste eine Nadel gegriffen. „Ich finde, diese kleinen Warzen müssen doch durchblutet werden.“ Sagt es und desinifiziert mit einem Spray die Brustwarzen von 33. Sie hat sich Latex-Handschuhe übergezogen, nimmt die rechte Brustwarze zwischen ihre Finger und durchsticht sie langsam mit der langen Nadel.

Als Mann muss man hier "alles" über sich ergehen lassen

Der Maschinenbauer aus dem Schwarzwald prustet auf vor Schmerzen. Er atmet stockend durch die Nase. Mit einem Wattebausch tupft Syonera sorgfältig die linke Brustwarze ab und bearbeitet sie mit einer weiteren Nadel. Lang gestreckt auf dem Holztisch, fixiert an Händen und Füßen, zuckt 33 wie im Todeskampf. Er ringt um Luft. „Hast du einen Spiegel für mich, damit ich sehen kann, wie sie aussehen?“ fragt 33 außer Atem und meint wohl seine Brustwarzen. „Ich bin doch kein Kosmetiksalon. Diese dämliche Frage gehört bestraft.“

Syonera wendet sich wieder dem kleinen Regal zu, auf dem sie ihre Instrumente ordentlich platziert hat, und als sie sich umdreht, erkenne ich in ihren Händen eine Spritze. Oh Gott, denke ich, was kommt nun? „Jetzt spritzen wir mal deine Titten auf. Das sorgt für Druck in deinen Warzen.“ Sie setzt die Spritze an eine winzige Ampulle und zieht Flüssigkeit auf und injiziert sie in die Brustwarze. Ich schaue zur Seite, höre aber an dem Aufjaulen von 33, wie die neue Attacke wirkt.

Ralf taucht neben mir auf, jener Labor-Programmierer, der in Dresden bei einer Firma arbeitet und alle paar Monate zu einem Dreh hier auftaucht. Inzwischen hat er mir auch erzählt, dass ihn seine Freundin hierherschickt. „Wie?“ frage ich. „Deine Freundin will das so?“ „Ja“, meint Ralf, als ginge es um eine Selbstverständlichkeit. „Einmal hat sie bei mir eine SM-Zeitschrift gefunden, darin geblättert und Gefallen an der Sache gefunden. Dann habe ich ihr einen Film gezeigt, und als ich ihr sagte, dass ich derjenige sei, der sich hinter der Maske befand, war sie begeistert. Seitdem drängt sie mich, zu Syonera zu gehen, um sich dann später den Film, in dem ich mitspiele, anzusehen.“ Ich bin erstaunt.

Syonera hat mittlerweile die Spritze zur seite gelegt und sich weitere Nadeln genommen. Die werden nun, eine nach der anderen, langsam durch die Vorhaut des Penis von 33 gestochen. Der jault auf wie ein Hund. Er hat es nicht anders gewollt, denke ich, kann aber nicht mehr hinsehen. Und ich denke an das, was mir Syonera kurz vor diesem Dreh sagte, als sie darauf hinwies, dass es Voraussetzung für eine jede Domina sei, äußerst diszipliniert und selbstbeherrscht zur Werke zu gehen. Eine Domina, die impulsiv agiert, ist eine Gefährdung für den Sklaven.

Nun ist 33 gespickt mit Nadeln. Jeweils eine in jeder Brustwarze, dazu drei in der Vorhaut. Ich schreibe mit, was ich sehe, fast wie ein Automat, und mir fällt dabei auf, was wieder ein Licht auf die unterschiedliche Art wirft, wie wir gewohnt sind, Gewalt gegen Männer und Gewalt gegen Frauen wahrzunehmen. Würde hier nämlich eine Frau mit Nadeln an Brustwarzen und Schamlippen durchstochen, ich denke, die Reaktion wäre eindeutig. Weil es aber ein Mann ist, denkt man, der Kerl sei doch selbst schuld, der weiß schon, was er da tut. Staatsanwaltschaften denken offenbar ähnlich geschlechtsbezogen. Sie bewerten die Gewalt in SM-Filmen gegen Männer eher mit Nachsicht, während bei der Gewalt gegen Frauen die Sensibilität eine wesentlich größere und die Hemmschwelle der juristischen Reaktion dementsprechend niedriger ist.

Ralf hat sich jetzt in ein seltsames Travestie-Korsett gewandet, schleicht auf Strümpfen herbei. Die klobigen Schuhe hält er in den Händen. Syonera zieht die Nadeln aus den Brustwarzen. Zum Kameramann: „Mach mal ’nen Cut. Das blutet hier zu stark.“ Sie gibt 33 einen Tupfer, den er auf seine Brustwarze drückt.

„Blut geht nicht“, meint Syonera. „Tiere, Kinder und Blut sind verboten. Die ersten beiden Punkte sind voll in Ordnung, aber dass Blut so gefährlich sein soll, verstehe ich nicht.“
Also kurze Unterbrechung, bis die Blutung gestoppt ist. 33 hat sich aufgerichtet und hält den Tupfer. Er atmet wieder gleichmäßig. Die schwarze Ledermaske umschließt den Kopf. Ein gesichtsloser Koloss, schwer, fast dampfend.

Syonera von Styx will es so...

„Wo bleibt die Schlampe“, ruft Syonera und meint damit Ralf, der wie aufs Stichwort reagiert und sich überstürzt seine schweren Treter anzieht. Die Blutung ist gestoppt. Es geht weiter. „Ich wollte euch beide ja auf den Strich schicken, aber da blamiert man sich ja“, krakeelt Syonera. Sie stopft Ralf einen Knebel in den Mund, 33 soll ihn von hinten nehmen. Und Syonera lacht wie aus der Fabrik. 33 stöhnt auf, er ist in Ralf gekommen. Er hat seine Schuldigkeit getan, 33 darf gehen.

Nun gerät Ralf ins Visier der Domina. Seit neun Stunden geht das jetzt schon. Ich bin bedient. Nicht nur wegen der Dauer, sondern auch aufgrund der Heftigkeit der Eindrücke. Ralf wird jetzt in Cellophan-Folie gepackt, zusätzlich mit mehreren Lagen Paketklebeband umwickelt und an ein Kreuz gestellt. Syonera fesselt ihn zusätzlich mit einem Seil. Sie kneift ihn durch die Folie in die Brustwarzen, klemmt ihm die Stromkontakte an, jagt die Spannung durch seinen Körper, malträtiert die Hoden mit Klemmen und spuckt ihn an. „Hauptsache, ich habe meinen Spaß“, donnert es aus Syonera heraus. Was folgt, ist die letzte Aktion des Drehs.

Syonera nimmt Ralf vom Kreuz und schubst ihn auf den Gang. Dort hat Günter, der Kameramann, schon das im Boden eingelassene Gitter geöffnet. Darunter befindet sich ein schmaler Hohlraum, der gerade genug Platz für eine Person bietet. Syonera bugsiert das Ralf-Paket in das Loch und verschließt das Gitter, das genau an der Stelle, wo sich jetzt Ralfs Kopf befindet, ein Loch hat, so dass sein Körper unter dem Gitter fast verschwindet, sein ledermaskierter Kopf aber genau in Bodennähe herausragt. Ein groteskes Bild. Zumal Syonera sich jetzt auf das Gitter stellt und auf Ralf pinkelt.

„Bei 10 kommst du! Hast du verstanden?“ Sie zählt wieder. Ralf kommt nicht. „Dann lass ich dich in diesem Drecksloch sitzen“, brüllt sie ihn an und macht den Abgang.
Drehschluss. Endlich.

Oben im Bufett-Raum sitzt 33, geduscht, umgezogen, frisch, entspannt und gut gelaunt. Als hätte er gerade eine Woche Wellness-Urlaub hinter sich, so steht er vor mir. Er strahlt von einem Ohr zum anderen, schwatzt drauf los, lobt Syonera in den höchsten Tönen, ihre Härte, ihre Sensibilität, ihre Kunstfertigkeit, ihr gutes Gefühl, den Rahmen auszufüllen, aber den Bogen nicht zu überspannen. Der Maschinenbauer mit Spezialgebiet Materialprüfung ist – so scheint es – gerade ein glücklicher und zufriedener Mann.

In der nächsten Folge besuche ich Dreharbeiten zu einem Schwulen-Porno, gedreht in Berlin-Kreuzberg. Firmen, die Schwulen-Pornos herstellen, gibt es nur noch wenige. Und dass die schwierige finanzielle Situation, in der sich viele Porno-Firmen in Deutschland befinden, auch hier ihre Folgen hinterlässt, merke ich, als der Produzent beginnt, mich um ein paar Dinge zu bitten… Diese und noch 22 andere Stationen meiner Reise gibt es jeweils ungekürzt in dem Buch PORNO IN DEUTSCHLAND – REISE DURCH EIN UNBEKANNTES LAND.