Wenn Frauen Männer quälen – Teil 1

TOM Report Serie: Porno in Deutschland»

Eine der seltsamsten Stationen meiner Reise durch Porno-Deutschland ist die in Dresden gewesen – bei der Domina Syonera von Styx. Dort lassen sich in schummrigen Kellergewölben Männer von der wasserstoffblondierten Frau auf das Übelste quälen. Und Syonera von Styx lässt alles mitdrehen. Doch der Reihe nach: Aus meinem Buch PORNO IN DEUTSCHLAND – REISE DURCH EIN UNBEKANNTES LAND nun eine weitere Episode – exklusiv für TOM REPORT.

Die Domina bei der Dressur von Nr.23 und Nr.7Ich betrete den kühlen Hausflur, gehe, so wie es mir gesagt wurde, bis ans Ende und drücke dort einen einzelnen Klingelknopf. Es dauert eine ganze Weile bis hinter der milchigen Glasscheibe eine Silhouette auftaucht. Eine junge Frau erscheint, kurzgeschnittenes Haar, schmales Gesicht, eine knapp sitzende, kurze Hose und ein eng anliegendes Oberteil, beides aus schwarzem Leder. „Hallo“, begrüßt mich die Frau. „Ich bin Nummer 8. Bitte folge mir.“

Die Domina lässt mich von ihrer Assistentin abholen. Ich folge ihr in das Reich von Syonera von Styx. Über das Treppenhaus geht es ins zweite Stockwerk. Überall stehen Utensilien, Schmuckgegenstände, Kerzenständer, überdimensionierte Dildos aus Silber herum, hängen Vorhänge, Teppiche, Folien an den in unterschiedlichen Farben bemalten Wänden. Auf dem Treppenabsatz liegen zwei metallene Krokodile, dann eine Vase mit goldenen Blumen. Bilder sind aufgehängt, die meisten zeigen Syonera: ein strenges, osteuropäisch breites Gesicht, mit hohen Wangenknochen, tiefliegenden Augen und blondem, künstlich anmutendem Haar. Streng und überzeugt schaut sie in die Welt. Kleine Springbrunnen sprudeln unablässig vor sich hin. Zudem: überall Zeug, Kram, alles irgendwie SM. Das ganze Haus wirkt wie eine Villa Kunterbunt für Extrem-Veranlagte. Von der Straße betrachtet aber wirkt es wie der Wohnsitz vereinsamter Rentner. Die perfekte Tarnung.

Im Kellerloch gefangenDa einer der Vorwürfe, die der Pornografie immer wieder gemacht werden, in der Vermutung besteht, bei Pornofilmen würden Frauen bedrängt, gedemütigt, gar missbraucht, war mir schon nach den ersten Wochen meiner Reise klar, dass es wichtig sein würde, bei den Dreharbeiten zu einem Domina-Film dabei zu sein. Wenn Frauen Männer quälen, was sagt das über das Genre? Werden sich diese Dreharbeiten von SM-Filme, in denen Frauen den devoten Part einnehmen, unterscheiden? Dass Frauen Männer schlagen, ist in der Gesellschaft kaum ein Thema. Denn dieses Phänomen stellt das übliche Koordinaten-System der Mann-Frau Beziehung auf den Kopf.

Als mir Syonera von Styx jetzt entgegenkommt, groß, bestimmend und mir freundlich die Hand gibt, ahne ich nicht, dass dieser Dreh der merkwürdigste und extremste meiner Reise werden wird.

Nummer 8 taucht auf. „Komm, wir gehen in den Keller“, meint sie. „Wieso trägst du diese Nummer?“ will ich wissen. „Die Zahl 8 habe ich von Syonera bekommen, und ich bin stolz darauf. Die 8 steht für die Unendlichkeit.

Wir gehen die Steintreppe hinab. Sofort wird es kühl, und es riecht nach feuchtem Keller. Die Wände bestehen aus unverputztem Mauerwerk. Nummer 8 zeigt mir die Räumlichkeiten. Zur linken befindet sich eine winzige, schmale Zelle, die einzigen Gegenstände darin sind ein alter Blecheimer und eine verschmutzte Matratze.

Ralf wartet auf Syonera von Styx„Für 60 € kann der Kunde sich da für eine ganze Nacht drin einsperren lassen“, erklärt mir Nummer 8. Ich folge ihr zu den zwei Räumen, die auf Schildern am Eingang als „Schwarzes Kabinett“ ausgewiesen sind. Im Raum zur rechten stehen ein altertümlicher, ziemlich echt aussehender Pranger und am anderen Ende eine Art Thron. Im Zimmer zur linken befindet sich eine Streckbank mit Gewinde am einen und einer Verschlußhalterung für die Fußgelenke am anderen Ende.

Der Kameramann ist gerade dabei, das Licht einzurichten. Zuerst wird im Pranger-Raum gedreht. Mit einer fest installierten und einer mobilen Kamera, die Günter bedient. Syonera kommt hinzu. Sie hat sich in Schale geworfen. Ein knapp sitzendes rotes Lederkostüm, das ihren Hintern fast ganz sichtbar sein lässt, dazu Stiefel, die ihr bis über die Knie reichen. In Kombination mit dem blonden Haar macht das nicht nur einen erotischen, sondern auch einen strengen Eindruck. Man muss sagen: die Domina-Rolle ist Syonera wie auf den Leib geschneidert. Dass das auch eine ganze Menge mit dem Willen zur Stilisierung, zur Ästhetisierung der eigenen Person – auch bei den Bewegungen, der Sprache, der Betonung – zu tun hat, ist mir bereits aufgefallen, als ich mit ihr telefoniert habe. Der Domina-Duktus scheint bei Syonera eine Allgegenwarts-Performance zu sein, Rolle und Person verschmelzen ineinander. Bis jetzt zumindest.

Ein kleiner Mann kommt in den Raum. „Das ist Nummer 23“, meint Syonera trocken. Er trägt einen Häftlingsanzug mit schmalen Streifen, dazu eine lederne Kopfmaske, die nur Augen, Nase und Mund freilässt. Dahinter folgt ein weiterer Mann, sein Häftlingsanzug hat breitere Streifen. Auch er trägt eine Kopfmaske. Syonera nennt ihn Nummer 7. 23 und 7 tragen an den Handgelenken und um den Hals Eisenringe, die mit Abus-Schlössern versehen sind. Warum trägt hier jeder außer Syonera und dem Kameramann eine Nummer?

Nr.33 muss es Ralf machenSyonera erklärt es mir. „Hier sind Namen unwichtig. Wichtiger noch, du verlierst deinen Namen. Und schlüpfst in eine neue Identität. Du bist nur noch eine Nummer.“ Das liegt ganz im Wesen der hier praktizierten Dramaturgie. Die Anonymität der Nummerierung raubt dem Einzelnen die Persönlichkeit und entwertet ihn als Mensch. „Nummer 7 ist mein Haussklave“, meint Syonera zu mir. „Was bedeutet das?“ „Er steht mir zu Diensten. Er putzt das Haus, räumt auf, kauft ein. Immer dann, wenn ich ihn brauche, kommt er vorbei.“ „Bekommt er was dafür?“ „Nichts. Nummer 7 hat das zu tun, was ich ihm sage.“

Der Kellerraum ist niedrig, man kann gerade noch aufrecht stehen, meint aber, trotzdem in gebückter Haltung gehen zu müssen. Das alte Gemäuer vermittelt den perfekten Eindruck für der totalen Abgeschiedenheit. Die Spinnweben sind echt. Bei der Renovierung hat Syonera darauf geachtet, dass sie hängenbleiben. „Mir gefallen eure schlaffen Schwänze nicht. Abbinden!“

Mit schwarzem Band binden sich 23 und 7 die Hoden ab. „Los, hart machen“, herrscht sie die beiden Männer an. Die beginnen mit der Hand an sich rumzumachen. „Schau mal 23, 7 ist schon weiter als du. Schneller.“ Nach einer Weile: „23, stell dich an den Pranger. Ich glaube, du musst mal durchgebumst werden. Und zwar damit.“ Sie schnallt sich einen Dildo um, der an einem Ledergürtel befestigt ist. „Cut! Wir bauen um“, meint Syonera.

Ich arbeite mich aus der Ecke hinter dem Pranger hervor und verlagere meinen Standort in die Ecke gegenüber, neben den Thron. „So, wie machen wir das jetzt?“ überlegt Syonera laut. „7, stell dich mal zu 23 und befestige alles.“ 23 hat den Kopf bereits in die ausgeschnittene Holzöffnung des Prangers gelegt. Jetzt muss noch die Holzlatte mit der anderen halbkreisförmigen Öffnung herabgesenkt werden, damit der Hals komplett vom Holz umschlossen ist und 23 mit dem Kopf feststeckt. 7 ruckelt an der Holzlatte herum. „Was ist denn mit 7 los, ist dir das Gehirn eingefroren hier im Keller. Du begreifst wohl das Prinzip nicht.“

7 ruckelt eilig die Holzlatte herunter und lässt sie einrasten. 23 stöhnt auf. Durch das stählerne Halsband wird ihm durch die so zu eng gewordene Prangeröffnung die Luft abgeschnürt. Schnell schiebt 7 die Holzlatte wieder nach oben. Das Eisenband muss vom Hals entfernt werden, und als man endlich den Schlüssel für das Schloß gefunden hat, gelingt das auch. 23 wird nun ohne Probleme in den Pranger gesteckt.

„Das hat dir jetzt aber keine Punkte gebracht“, ätzt Syonera. Diesen Spruch lässt sie des öfteren fallen. Offenbar gilt: Wer Punkte sammelt, entgeht seiner Strafe. Aber da die Strafe von beiden Seiten gewollt ist, sammelt hier niemand Punkte. Komische Regeln. Die Dreherei kann weitergehen. „7, mach dein Ding größer. Wir drehen hier auf Anschluss.“

Ralf ist an der ReiheMan muss wissen: Die Männer bekommen für den Dreh kein Geld. Sie haben sich über Syoneras Internet-Seite gemeldet und für den Dreh beworben. Die Ledermaske sorgt für die nötige Anonymität. Über Interessenten kann sich Syonera nicht beklagen: Es gibt immer genügend „Nachschub“ aus dem ganzen Bundesgebiet, auch aus Österreich und der Schweiz. Wer sind diese Männer? Welchem Beruf gehen sie nach? Vielleicht finde ich noch Gelegenheit, sie danach zu fragen-

Syonera nimmt eine rote Kerze und beträufelt damit Rücken und Hintern von 23. Dann zieht sie sich einen Latex-Handschuh an und schmiert den Hintern von 23 mit Vaseline ein. Sie bohrt mit dem Finger darin herum. „Da geht sie ja richtig mit, unsere 23“, und Syonera lacht, als flöge sie gerade auf einer Achterbahn durch die Luft. Kurz wendet sie sich 7 zu und spuckt ihm ins Gesicht.

„Danke, Göttin.“ Das klingt immer gleichbleibend. Leise, gehorsam, auch ein bisschen traurig. „Los 7, steck ihn in 23.“ 7 muss die 23 von hinten nehmen. Syonera stellt sich daneben und lacht. Dann entscheidet sie sich anders. Sie holt 23 aus dem Pranger und zwingt ihn in die Knie. „Nimm seinen Schwanz in den Mund. Anlecken und saugen“, fährt sie 23 an. „Absaugen, ich will den Gummi voll haben.“

7 trägt ein Kondom. Die Männer machen keinen HIV-Test. Sie müssen, bevor sie anreisen, einen drei Seiten langen Fragebogen ausfüllen, der nach ihren Vorlieben und Grenzen fragt. Aus den Antworten stellt Syonera dann das Programm zusammen. Nichts, was hier geschieht, geschieht gegen den ausdrücklichen Willen einer Person. Im Gegenteil: Es sind Wunschszenarien, die hier durch Syonera Gestalt annehmen. Dabei ist sie sich der heiklen Verschiebung der Kräfteverhältnisse bewußt. Später wird sie mir sagen, dass sie darauf achtet, immer noch Abwandlungen in das Programm einzubauen, mit Überraschungseffekten aufzuwarten, denn würde sie darauf verzichten, dann wäre ja nicht mehr sie die Meisterin, sondern bloß das ausführende Organ der Wunschliste ihrer vermeintlichen Opfer.

lesen Sie hier weiter in Teil 2 des bizarren Besuchs bei Domina Syonera ->