Gefesselt und geschlagen – Medizinstudentin, jung, hübsch, sucht Inquisitor

TOM Report Serie: Porno in Deutschland»

Meine Reise für das Buch PORNO IN DEUTSCHLAND führt mich diesmal in die Welt des SM-Pornos. Das Ziel liegt in einem Dorf ganz in der Nähe von Darmstadt. Dort toben sich die Geister der Inquisition aus. Es geht um das Mittelalter, um einen Inquisitor und eine junge Frau, die nur helfen will und dann gequält wird. Exklusiv für TOM REPORT hier ein Ausschnitt von dieser geheimnissvollen Welt, in der spielerischer Umgang und ernsthafte Peinigungen so nah beieinander liegen.

Porno in Deutschland 4.StationEntstanden ist diese Welt in dem kleinen Dorf durch Tobias. Er ist ein junger Produzent Mitte dreißig, und getroffen habe ich ihn auf der Venus. Tobias hat wallendes, schulterlanges schwarzes Haar, einen sanftmütigen Ausdruck in einem fein geschnittenen Gesicht und dunkle, aufmerksame Augen. Die Cover seiner Filme sagen schon eine Menge: Mit Freunden hat er in einer alten Scheune auf engstem Raum eine mittelalterliche Welt entstehen lassen. Hier werden nackte Frauen von ihren Peinigern auf Räder gespannt und ausgepeitscht, mit den Oberarmen an querliegende Balken gefesselt, um dann mit einem Seil emporgezogen zu werden, bis die Füße den Boden nur noch mit Zehenspitzen berühren, oder sie werden mit Ketten, Kerzen und Kneifzangen traktiert. Das hört sich schlimm an. Ob es das auch ist, weiß ich nicht. Genau genommen ist mir die ganze Sache nicht ganz geheuer, auch wenn Tobias einen netten Eindruck macht. Seine Filme produziert er in erster Linie für die eigene Internet-Seite inquisitionlive. Mit einer gehörigen Portion Respekt mache ich mich also auf den Weg.

Bei Darmstadt habe ich mich verfahren. Als ich dann durch eine Ortschaft namens Wixhausen fahre, befürchte ich schon, in einen schlechten Witz geraten zu sein. Ich muss dann ein paar Mal nach der richtigen Route fragen. Das Dorf liegt an einer Durchgangsstraße, die Gasse, die zu der umgebauten Scheune führt, liegt so versteckt, eingeklemmt zwischen zwei gedungenen Häuschen, dass ich erst mal dran vorbeifahre. D ie Tür, von der mir Tobias gesagt hatte, ich solle einfach hindurchgehen, ist nicht abgeschlossen. Ich gelange in einen abgedunkelten Raum und höre gedämpfte Stimmen. Als ich eine weitere Tür öffne, stehe ich auch schon mitten in einer Art Kammer. Kaum habe ich die Scheune betreten, fühle ich mich um Jahrhunderte zurückversetzt. Alles hier ist alt, bis auf die Menschen, die herumlaufen und den Dreh vorbereiten. Das Bett, die Schemel, ein Schrank, das Mauerwerk, der Holzfußboden, die Kerzenständer, ein Fass, die schönen Rundbögen und die Gewänder, in denen drei Männer herumlaufen, als sei es Alltag.

Die Frau, die heute das Opfer spielen wird, steht gerade neben mir. Sie heißt Diana und studiert im dritten Semester Medizin. Sie trägt ein helles Gewand aus Leinen und wirkt, als sei sie darin zur Welt gekommen. Ihre Augen strahlen, während sie aufmerksam in dem Drehbuch liest und versucht, sich ihre Dialogzeilen einzuprägen. Diana macht erst seit ein paar Monaten bei Pornos ganz unterschiedlicher Art mit. So finanziert sie sich das Medizinstudium.

Für das Geld, das ich an einem Drehtag verdiene, müssen andere bei Studentenjobs zwei Wochen arbeiten“, sagt sie.Ist das nicht merkwürdig, dass du einen Beruf studierst, der dazu dient, Menschen zu helfen, Schmerzen zu lindern, Krankheiten zu heilen, und du dich jetzt quälen, dich dafür bezahlen lässt, dass man dir Schmerzen zufügt?“ frage ich.Meine masochistischen Neigungen waren definitiv schon da, bevor ich mein Studium ergriffen habe. Es ist eben einfach so, dass gewisse SM-Spielarten mir weniger Schmerz als Lust bedeuten.“

Porno in Deutschland 4.Station

Das Team ist mittlerweile umgezogen in den Keller. Ein düsteres, stimmungsvolles Verließ. Der Steinboden, das alte Gemäuer, das Stroh, das hier und da verstreut herumliegt, versetzen mich in eine finstere Vergangenheit. Unter der Steintreppe ist ein winziger Kerker eingelassen. In kleinen Erkern steht mittelalterliches Foltergerät. Ganz am Rand befindet sich ein antiquarisches Schreibpult. Es ist kühl. Es riecht nach Keller. Zwei Gasöfen spenden langsam Wärme.

Am Boden kniet Diana, die Handgelenke von einem so genannten Eisernen Storch umfasst, nackt. Die Handgelenke sind durch eine Strebe mit einem Ring verbunden, der wiederum den Hals umschließt. Ein Zustand des Ausgeliefertseins. Der Knebel sitzt noch nicht richtig.

Die Scheinwerfer sind eingerichtet, die Kameramänner in Position.Die Eins läuft.“Die Zwei läuft.“Die Drei läuft.“Action!“Und bitte“, ruft Tobias, dder Regisseur und Produzent.

Die drei Männer kommen die Treppe hinunter. Lothar, privat ein Zimmermann, und Boris, ein professioneller Darsteller, flankieren Diana, Tybalt, im richtigen Leben Musiker, stellt sich hinter das Pult und sortiert Papiere. Dann richtet er das Wort an die Frau.Bist du bereit, die Prozedur über dich ergehen zu lassen?“ Sie nickt stumm.

Lothar nimmt ein Gefäß und schüttet langsam Wasser auf das Gesicht der knienden Diana. Sie prustet, verschluckt sich, hustet. Boris hält ihr die Nase zu, Lothar schüttet weiter Wasser. Diana bekommt kaum noch Luft, spuckt das Wasser aus so gut es geht.Was verschwendest du das kostbare Nass!“ fährt er sie an.

Diana wird von ihrer Fessel befreit, wird von Lothar ausgepeitscht. Zuerst die Brüste, auf den Hintern. Langsam bilden sich rote Striemen auf der blässlichen Haut. Draußen dämmert es. Warm ist es immer noch nicht. Die Öfen kommen nicht richtig in Gang. Behaglich will es nicht werden. Pause.

Diana wird jetzt an einen Querbalken gebunden, indem ihr die Arme auf dem Rücken fixiert werden. Der Balken ist mit einem Seil verbunden, das jetzt durch eine in der Decke befindliche Öffnung mit Hilfe einer Winde hochgezogen wird, so dass Dianas Füße den Boden nur noch mit den Zehenspitzen berühren.

Satan, ein Hund, der der Assistentin gehört, läuft ins Bild und schnüffelt zwischen Dianas Beinen.Kommst du her“, ruft ruft seine Besitzerin. Allgemeines Gelächter.

Porno in Deutschland 4.StationDiana steht an dem Balken. Sie ist immer noch nackt. Umgeben ist sie von Boris, Lothar, Tybalt, den zwei Kameramännern und Lydia, die alle überlegen, was jetzt genau zu tun ist. Ich kann jetzt sogar nachvollziehen, dass einem das als Darstellerin gefallen kann, trotz der Schläge, der Fesselung, der Anstrengung, so lange auf Zehenspitzen stehen zu müssen, während einem der Querbalken in die Schultern schneidet. Denn man ist umgeben von Menschen, die ausschließlich damit beschäftigt sind, sich Dinge für dich auszudenken, während du dich im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit befindest und sich jeder im Raum anstrengt, dass du es bist, der zur Geltung kommt. Dennoch lässt es gerade Diana jetzt ein wenig an Engagement missen.

Hey Amalia, wir sind hier nicht auf dem Ponyhof“, ruft die Assistentin in die abflachende Stimmung. Diana wird nun von Lothar angepinkelt. Das ist sein Ding, sagt er. Den ganzen Tag über trinkt er schon Wasser. Jetzt entleert er sich. Diana lässt es geschehen. Danach soll Diana Boris den Schwanz wichsen, bis es ihr ins Gesicht spritzt.Jetzt pack den Pimmel aus“, meint Tobias.

Diana soll ihn in die Hand nehmen. Gar nicht so einfach, wenn man mit beiden Armen an einen Querbalken gefesselt ist. Das mit der Hand kann man also vergessen. Boris soll es sich jetzt also selbst machen und ihn ihr dann in den Mund stecken, doch nun hat er die Schwierigkeit, an Dianas Gesicht zu kommen, denn sie hängt zu hoch. Also soll Boris sich auf eine kleine Bank stellen, was aber lächerlich aussehen würde. Diana losmachen und sich hinknien lassen? Da erst verfällt Tybalt auf die Idee, das Seil nachzulassen, so dass Diana tiefer sinkt und jetzt auch bequemer stehen kann. Nun passt das mit dem Schwanz und dem Gesicht und dem Mund, man befindet sich jetzt gewissermaßen auf Augenhöhe. Boris ist sehr diszipliniert. Er fängt an, hält das Tempo, und als Tobias meint, nun könne er, braucht er noch ein, zwei Minuten und kommt dann wie gewünscht. Von Boris erfahre ich dann auch, dass man schon mal Sperma aus der Tube nimmt – auf der steht Milchmädchen und beinhaltet nichts anderes als Kondensmilch. Die ist zäher als übliche Milch und wird schon mal als Brotaufstrich verwendet – kann aber auch als täuschend echt aussehender Sperma-Ersatz benutzt werden.

Das Abspritzen ist in SM-Filmen erst in den letzten Jahren salonfähig geworden. Die Genregrenzen sind mittlerweile aufgeweicht. So hätte man noch Anfang 2000 darüber diskutiert, ob SM-Filme im strengen Sinne überhaupt Pornos sind, da das übliche Eindringen des Penis oder der cumshot gar nicht so oft in ihnen vorkamen. Was einmal mehr unterstreicht, dass SM-Filme gar nicht so sehr den direkten sexuellen Instinkt ansprechen, sondern die herzustellende Lust eher aus dem dargestellten Machtgefälle gewinnen. Man kann denn auch sagen, dass der SMler durch das Rollenspiel eher einen Zustand der Anspannung, der Erregung erzeugt und diesen dann halten will, als durch sexuelle Aktion einem konkreten Höhepunkt zuzustreben.

Porno in Deutschland 4.StationIst das kalt hier“, meint Diana. Sie hat Recht. Die beiden dickbäuchigen Tyczka Totalgas Flaschen sind leergebrannt. Dazu kommt die Müdigkeit, auch die Erschöpfung. Aber das Finale steht noch aus. Diana wird auf ein großes Wagenrad gebunden und mit Rosen geschmückt. Die roten Rosen und das dunkle, geheimnisvolle Verlies ergeben einen sehr stimmungsvollen Kontrast. Man könnte von einer Komposition sprechen.

Das gibt ein gutes Bild“, meint Diana. Nackt ist sie auf das Rad gebunden, die Schenkel gespreizt und bis eben noch mit einem kleinen Kissen im Nacken abgepolstert („Es soll ja nicht weh tun“, wie Marco, der Kameramann soeben meint.), das aber jetzt entfernt wird, weil es das Bild stören würde.

Das Finale: Diana wird auf dem großen Holzrad langsam gedreht und dabei von Boris mit einer Lederklatsche geschlagen. Es ist kein Make-up, das die dunkel getönten Stellen auf der Haut bewirkt. Die allmählich entstehenden Blutergüsse sind echt. Sie stehen für die Authentizität des Films, ähnlich dem cumshot beim gewöhnlichen Porno.

Es gibt in Deutschland unzählige Dominastudios, die von Männern aufgesucht werden, um sich gegen Bezahlung einer dominanten Frau unterzuordnen. Es gibt nur wenige Porno-Firmen in Deutschland, die in ihren Filmen den unterwürfigen Mann zum Thema haben.

Diana schreit jetzt – ich möchte fast sagen – nach Herzenslust. Es wird nun auch noch für die österreichische Webfassung gedreht. Dafür soll und darf Diana lauter schreien als für die DVD-Version. In unserem Nachbarland sind die gesetzlichen Regelungen für so genannte gewaltdarstellende Filme mit pornographischem Inhalt nicht so strikt wie in Deutschland. Doch ab wieviel Dezibel ist das Schreien einer Frau unzulässig in Deutschland? Die Grenze zum Verbot ist fließend, irgendwie Einschätzungssache. Denn nirgendwo steht in einem Gesetzestext oder einer Verordnung ein zulässiger Grenzwert.

Es ist jetzt kurz nach Mitternacht. Ich stelle mir das kleine Dorf in der Beschaulichkeit dieser ruhigen, kalten Herbstnacht vor. Die schmale Gasse – die Schreie, die da aus einem Keller hinausdringen. Und wundere mich, dass nicht schon längst die Polizei vor der Tür steht.

Dann hält Diana inne. Boris, Lothar und Tybalt verharren in der Bewegung.Was ist los“, fragt Tobias.Mir ist der Arm eingeschlafen“, meint Diana.Welcher Arm?“ fragt Boris schnell.Der linke“, antwortet Diana. Lothar und Boris beeilen sich, den Strick um das Handgelenk zu lösen, heben vorsichtig den Arm und geben ihn Diana gewissermaßen zurück. Alle warten, bis das Blut wieder durch den Arm zirkuliert.Das Arbeitsamt warnt: ‚Vorsicht bei der Berufswahl’“, meint Boris und löst damit allgemeine Heiterkeit aus.

Es geht wieder“, gibt Diana kund. Lothar und Boris binden den Arm wieder fest.Okay, jetzt das Wachs“, meint Tobias.

Diana wird nun, während sie auf dem Rad weiter gedreht wird, mit rotem Kerzenwachs beträufelt. Dabei bekommt sie einen Orgasmus. Ich merke das nicht nur an einem zerdehnten Schrei, sondern auch am unwillkürlichen Zittern ihrer Bauchmuskulatur. Diana wird mir gleich erzählen, dass sie mehrere Orgasmen hatte.

Während der Tortur muss Boris niesen. Erst einmal, dann noch einmal, und erneut. Die erste, die lachen muss, ist Diana, die auf dem Rad gerade mit dem Kopf nach unten hängt. Die anderen stimmen mit ein.

Später erzählt Diana von Dreherfahrungen in Ungarn, wo man sie solange prügelte, bis sie blutete. Am Drehort entbrennt eine heftige Diskussion darüber, was erlaubt ist und was verboten gehört. Da prallen sehr unterschiedliche Ansichten aufeinander. Ach ja, und dann erzählt Boris noch von sehr abwegigen Praktiken, eine nennt sich Römische Dusche.

Dies und mehr in PORNO IN DEUTSCHLAND – REISE DURCH EIN UNBEKANNTES LAND. Der Playboy schreibt über das Buch: „Das Standardwerk über den deutschen Porno – die erste große Branchenanalyse.“ Mehr unter www.porno-in-deutschland.de oder auf facebook unter „Porno in Deutschland“.