Jana Bach hat ihren Slip an den Nagel gehängt

Fernsehkritik: „Neues Leben von Jana B. – mein Leben als Pornostar“ aus der Reihe „24 Stunden Reportage“ (SAT1)

Es ist ein Privatsender-Phänomen veraltete Dokumentation so oft zu wiederholen, bis sie wirklich jeden Rest an aktuellem Wahrheitsgehalt verloren haben. Jana Bach, die Ex-Justizangestellte, ist längst Ex-Pornodarstellerin. Unverdrossen strahlen sie jedoch das dürftig recherchierte Machwerk aus und bringen damit völlig veraltete Informationen frisch in Umlauf.

Jana Bach

Mit dem Pornofilmregisseur Hubertus Leischner, Chef des Labels Inflagranti (für diese Namensgebung bekommt er auf alle Fälle eine Eins mit Sternchen), fährt die heute 31-jährige, im Bericht noch 28-jährige Jana Bach auf dem Rücksitz durch Mallorca zum Filmset. Die freien Mitarbeiter der Pornocrew umarmen sich, winken in die Kamera und lassen dankenswerter Weise jede Form glamourösen Scheins weg. Die Pornodarsteller Till Krämer und Mario (Künstlername Fash) treten im Interview-Quickie eloquent auf und werden bei branchenuntypischen Handlungen wie dem Auswendiglernen des Drehbuchs beobachtet, was bei Pornofilmen ja ganz sicher einer der Hauptaufgaben männlicher Darsteller ist. „Wichtig ist `ne lockere gute Stimmung zu behalten“, verrät der Regisseur seine Tricks, sollten Till, Mario & Co ihre Hauptdarsteller mal nicht wie gewünscht stehen bleiben. Das unbeabsichtigte Herausfallen von Frau Bachs Kontaktlinsen während des Geschlechtsverkehrs inszeniert man als abendfüllendes Drama – es ist an Lächerlichkeit kaum zu übertrumpfen.

Jana BachDie Dokumentation gibt vor, Bilder aus dem Alltag von Jana Bach zu zeigen, wenn sie sie in Auftritten in Sex-Shop, bei TV-Auftritten oder während Pornoaufnahmen zeigt. Es würde der Wirklichkeit eher entsprechen zuzugeben, dass dies weniger Alltag mehr Ausnahme ist. Maximal zwei Drehtage pro Monat standen auf dem Pornoplan von Frau Bach und mit viel mehr Striptease-Shops pro Monat zog sie auch nicht über Deutschlands Dörfer. Es folgt das unvermeidliche Post-Akt-Interview, bei dem sich Jana Bach noch die Spermareste aus dem Gesicht wischt, aber rein gar nichts von sich gibt, was es sich hier zu wiederholen lohnte.

Szenenwechsel. Im Kaiserslauterner Erotikdiscounter, hier hat sie gleich einen Auftritt, entdeckt Frau Bach die DVD „Oma Inzest“ und beweist Humor: „Siehste, da kann ich mir doch noch Hoffnungen machen, dass ich diesen Job nicht aufgeben müsste.“ Wie wir wissen, kam es anders. Vor Ort sind die Kolleginnen Saints und Schmitt, die nur lobende Worte über sie finden. Den Magen umdrehen kann es einem dann allerdings beim Fankontakt im Sexshop, wo erwachsene Männer sich benehmen wie ungezogene kleine Kinder. Und was machen Saints, Schmitt und Bach? Sie lächeln sich die Lage schön und halten mit ihrer Meinung aus Marketinggesichtsgründen hinterm Berg.

Die Dokumentation endet mit der Erkenntnis, dass den ganzen Tag intime Einblicke irgendwann nur noch eines seien: langweilig. Eine Bewertung, die auch für diese Dokumentation gilt.