Pornofilmkritik: „Der Tagträumer“ (Magma)

Pornofilm - Der Tagträumer

Schwänzeversenken illusionieren

Ein „verkehrender“ Film macht auf Hollywood. Im Vorspann sehen wir graphisch aufgemotzte Darstellernamen wie Weltstars elegant durchs Bild sausen, hinter denen per Zeitlupenausschnitt die erwähnten Aktricen einmal im Schauspielergetue und einmal in sexuell eindeutiger Positionierung agieren. Die Hauptdarstellerin klingt nach gefüllten chinesischen Nudeln, dabei ist sie eine Deutsche mit thailändisch/chinesischen Migrationshintergrund: Wanita Tan.

Für eine Unterleibsproduktion sieht das verdammt aufwendig aus. Hier waren Profis am Werk, da die Lichtsetzung stimmig, der Ton sauber und offenbar ein Drehbuch konzeptionelle Vorschriften machte, was man zu tun gedachte. Einzig die Dialoge sind aus jenem holzschnittartigen Muster was offenbart, dass der Autor kein schriftstellerisches Talent besaß. Leider besitzen die Pornodarsteller ausschließlich ein Talent fotogen ihre Geschlechtsteile in Szene zu setzen, was man über ihre schauspielerischen Ambitionen leider nicht behaupten kann.

Ein Nacktschläfer wacht auf, gä̈hnt, wundert sich, reißt sich die Bettdecke vom Bauch, worunter zwei Reizwäscheträgerinnen seinen Schwanz lutschen. Komik im Porno. Ein wirklich witziger Anfangsgag. Dieser Mann hat im Laufe des Filmes immer wieder erotische Tagträume, die wir neben seinem real existierenden tristen Alltag gegengeschnitten gezeigt bekommen. Das ist zwar nur eine leidlich originelle Idee, aber immerhin hat sich da jemand die Mühe gemacht, dem Flüssigkeitsaustausch eine Rahmenhandlung zu verpassen. Solche Pornos kenne ich ja fast nur noch aus meinen Jugendtagen – Ende der Achtziger.

Die beiden Damen stellen nacheinander ihre Muschi für eine exklusive Geschmacksprobe zur Verfügung, wobei die gerade Unbeschäftigte den Penis mundhandwerklich auf einem zufriedenstellenden Steifigkeitsniveau hält. Es folgt eine zwar langweilige, aber im Verhältnis zum Durchschnitts-Erwachsenenfilm recht kreative Lesbenszene, die uns schon mal ausgiebig in alles hineinschauen lässt, wo man als Zuschauer eines Ü18-Machwerks einen Einblick erwartet. Unser Mann fickt sich, wie wir irgendwie gleich in Verdacht hatten, abwechselnd in den beiden Vaginen fest, ehe ihn schlussendlich auf dem Rücken liegend die Damen abmelken und mit offenen Mündern seine geizigen Tropfenverschwendungen aufzufangen versuchen. Harter Umschnitt. Der Mann liegt erschöpft in seinem Bett und sagt „Was für ein realistischer Traum, so könnte jeder Morgen anfangen.“

Der Nacktschläfer ist auf dem Weg zum Bad. Doch was sehen seine Augen da? Sein Mitbewohner tittenfickt ein Blondine. Er stellt sich auf den Beobachterposten hinter den Türrahmen und schaut sich das Schwanz-trifft-Titten-Meeting näher an. „Oh, isches geil, ficksch meine Muschi“ sagt die Darstellerin Luna in einem pfälzischen Dialekt, den ich ebenso komisch finde. Ihre Pussy scheint sie frisch enthaart zu haben, denn sie springt uns entzündungsrot ins Auge. Den Mitbewohner spielt der Akteur Conny Dachs, dem man durchaus eine gewisse schauspielerische Note attestieren muss. Allerdings quatscht der wä̈hrend des Geschlechtsverkehrs dermaßen viel, dass es wohl selbst fürs Tratschen bekannte Frauen langsam ein wenig zuviel werden könnte. Dennoch möchte ich die Leistung nicht schmälern, denn Conny Dachs macht drei Dinge auf einmal: ficken, Luft holen und Romane erzählen. Bravo! Luna will ihm jetzt sein Sperma entlocken: „Her mit dem Schwanz“, sagt sie. Conny Dachs antwortet: „Okay, hier hasten.“ An dieser Stelle musste ich zum zweiten Mal laut lachen. Es folgt eine Tittenbesamung aus dem Lehrbuch.

Eine Masturbationsszene von Wanita Tan schließt sich an. Ihre gesplittete Unterlippe mag ja dem neuesten Modeschrei entsprechen, es passt aber zu ihrem selbstliebenden Spiel, was so rein gar nichts an Natürlichkeit vermittelt. Die gut siebenminütige Szene dauert eine gefühlte Ewigkeit. Sie ist die Mitarbeiterin des männlichen Hauptdarstellers und ihr Chef. Leider spricht er, sein Porno- Künstlername ist Chris Hilton, als ob er seinen Text vom Buch ablesen würde und leider gab man ihm viel Text. Es kostet einige Überwindung nicht vorzuspulen.

Da Chris Hilton die Situation seiner Sekretärin Wanita Tan natü̈rlich wieder nur träumte, sucht er eine Psychotherapeutin auf, gespielt von der Berliner Jessy Key, bekannt von einer Berliner Erotikagentur und als professionell promotete Escortlady. Sie hat sich elegant zurechtgemacht, trägt eine Brille, doch wer ihre sehr mädchenhafte Erscheinung kennt, nimmt ihr diese Respektsrolle als studierte Menschenkennerin wahrlich nicht ab. Mit einem Knall als Effekt, beginnt urplötzlich die Traumsequenz.

Jessy Key sitzt in Unterwäche vor ihm und sagt: „nun machen Sie sich mal keine Sorgen, das kriegen wir schon wieder hin“ und stürzt sich mit diesen Worten auf ihn. Die geschlechtliche Vereinigung galoppiert in der Reiterstellung seinem Höhepunkt zu. Jessy  lässt sich noch in den Hintern ficken, um dann eine Gesichtsbesamung auf sich beizuwohnen. Was ich erstaunlich finde, da für sie nach meinem Kenntnisstand ihr Gesicht immer tabu für Sperma war. Siehste, so ändern sich die Zeiten. Hat der Regisseur wohl ganze Überzeugungsarbeit geleistet.

Die zweite Wanita-Tan-Szene folgt, bei der sie von zwei Männern in drei Löchern penetriert wird. Die Zä̈higkeit hätte man der zerbrechlichen Frau kaum zugetraut. Es fällt übrigens auf, das der Trend weg von der totalen Schamhaarrasur zum zarten Landestreifen geht, wenn der Film hier als Trendsetter fungieren sollte. Es kommt zur Doppelpenetration und zu einer sehr schönen Gesichtsentladung über Wanitas Hinterkopf in ihr offenstehendes Mundtor. Wie soll ich mich ausdrücken … es ist das Tor des Monats, ein echter Sonntagsschuss.

Chris Hilton, das war der permanent sexistisch träumende Hauptdarsteller, überkommt diese Erscheinung in einer Bar, bei der nicht nur er alleine Schwanzeversenken spielt. Hierbei kommt es zu einer akrobatischen Einlage von ganz besonderer Güte. Die blonde Darstellerin macht einen Spagat ü̈ber zwei Barhocker, hält die Stellung, und Chris Hilton füllt tiefsinnig ihr spreitzendes, vermehrungsempfängliche Loch. Privat dürfte ich weder eine Frau noch einen Mann jemals kennenlernen, der so etwas nachmachen kann. Ganz davon abgesehen, dass das zwar wirklich geil aussieht, aber sicher für keinen der Beteiligten eine erotische Erfahrung sein dürfte, weil sie so unbequem ist. Aber das muss ein guter Pornofilm liefern. Hier werden gute Bilder inszeniert, die nichts mit der Realität gemein haben und einen dennoch davon träumen lassen, man verfüge auch über derartige gelenkige Fähigkeiten.

Bei der Krankenhaus-Szene, nach dem Barbesuch schlägt ein Obdachloser Chris Hilton eine Bierflasche über den Kopf, weil der ihm weder Geld noch Zigaretten geben will. Es schmerzt im Ohr, wenn die Krankenschwester Maja ihren Darstellertext spricht. Grausam – das machen ja Grundschüler überzeugender. Davon weiß sie dann bei der folgenden Sexszene zu überzeugen, bei der es in voller Berufsbekleidung zur Sache geht. Die Krankenschwester erlaubt ihm am Ende: „Okay, spritz mich voll“ und zieht dazu ihren Kittel etwas nach unten, damit ihre Titten freiliegen. Chris Hilton trifft das ihm Angebotene vorbildlich.

Jeder Geschlechtsverkehr war nur geträumt, denkt sich Chris Hilton als Nacktschläfer im heimischen Bett, mit der der Film fast endet. Es folgen im Abspann, bei der die Crew namentlich Erwähnung findet wie in einem richtigen Hollywoodfilm, noch einige Hintergrundszenen sowie Kurzinterviews. Ein Film, der mir garantiert im Gedächtnis bleibt.

Euer Sui