Ich bin so froh, dass ich kein Mädchen bin

Fernsehkritik: „Rapper verachten Frauen“ (arte)

Rapper GirlsMenarche und Ejakularche, die körperlichen Zeichen der Frau- bzw. Mannwerdung, liegen bei den rappenden Mädchen und Machos zwar längst außerhalb ihres Erinnerungsvermögens, dennoch predigen sie in ihren Rapptexten auf vorpubertäre, gewaltverherrlichende und frauenfeindsame Art den Umgang mit sexuellen Trottoirbekanntschaften. Diese französische Dokumentation taucht tief in die Lebenswirklichkeit der typischen Pariser Banlieues ein, wo Jungs Dinge sagen wie: „Soll ich dir eine besorgen, die es schon mit der halben Siedlung getrieben hat? – Nee, ich nehm lieber eine, der ich die große Liebe vorlüge, und wenn ich sie dann gefickt hab, dann lass ich sie fallen.“

Wir lernen nun einen dunkelhäutigen Vorstadtbewohner kennen, der, selten habe ich es politisch korrekter formuliert gehört, „in einer polygamen Familie groß wurde“. Der Vater hatte stets zwei Frauen gleichzeitig, seine Mutter ging so oft fremd wie sie den Müll runterbrachte, was bei ihrem verhütungsfreien Tun nun mal die Verwandtschaft enorm in die Höhe schnellen ließ. Der porträtierte Sohnemann ist jetzt mit 32 Jahren zu der Erkenntnis gelangt: „Die Mütter sind doch die eigentlichen Chefs. Ohne sie läuft gar nichts.“ In seinen aktuellen Rappsongs erzählt er hingebungsvoll von Frauen, die ihr ganzes Geld für Dessous ausgäben. Vielleicht eine französische Eigenart in Armenvierteln. Eine Frau sei nämlich gar nicht weniger Wert als ein Mann, versichert er uns mit großen Augen und scheint damit andeuten zu wollen, für wie toll, wie einzigartig, wie besonders er seine heutige Meinung findet. Textauszug aus einem kollegialen Rappwerk: wollen mal sehen, wie du mit einem gebrochenen Bein auf Beauty-Queen machst – wollen mal sehen, wie du mit kaputter Fresse einen bläst – du bist `ne dreckige Sau, die in den Schlachthof gehört“. Gut, da könnte man schon von einem gewissen Gesinnungswandel sprechen.

Szenenwechsel in die USA, nach Atlanta. Frauen fordern von Rappern Respekt ein. Und ein Andersfarbiger beeilt sich zu versichern, dass wirklich nicht alle Schwarzen so schlecht über Frauen dächten. „Wenn du Rap machen willst, brauchst du Frauen“, verteidigt sich ein bekannter Rap-Produzent auf die Frage, warum seine Videoclips eigentlich immer in Stripteaseclubs gedreht würden. „Alle wollen doch nackte Frauen sehen und bezeichnen sie als Huren.“ Mit anderen Worten: das Zielpublikum ist schuld. „Hey, es macht mir wirklich nichts aus, mit Schimpfworten Geld zu verdienen. Hey, das ist doch bloß Unterhaltung.“

Von diesen reizenden, echten Männern entblößen sich nicht nur gedanklich einige Gestalten, nein, sie entblößen vor uns zunächst mal ihren Oberkörper, der überaus missglückt mit unveränderlichen Kennzeichen übersät ist. Verzeihung! Das ist natürlich cool, seine Hautunreinheiten hinter lebenslänglichen Tattoos zu verbergen. Witziger Weise lehnen es alle Stars kategorisch ab, dass ihre Töchter jemals das tun könnten, was die Frauen in ihren Rapptexten tun. Es herrscht da eine gewisse Doppelmoral. Der Künstler zieht eine Kreditkarte durch die Poritze einer Tänzerin, was wohl als Sinnbild für die Käuflichkeit von Frauen interpretiert werden darf. Gegen derartige Obszönitäten macht nun eine Frauenorganisation front, weil Grundschüler die pornographischen Andeutungen der Rappstars während des Schulunterrichts an ihren weiblichen Kameradinnen nachahmten. Solange sich jedoch mit Bitch & Co in Songtexten so viel Geld verdienen lässt, wird sich an den Rappsongs kaum etwas ändern.