Sex mit Prostituierten ist nichts weiter als professionelle Unterleibs-Unterhaltung

Fernsehkritik: „Edelpuff in der Wüste“ aus der BBC-Reporterreihe Louis Theroux (ProSieben)

Wilde Horses - Edelpuff in der Wüste

Ein Reporter zieht in den größten Puff der USA – das neu gegründete „Wild Horses“. Übersetzt: wilde Pferde (Werbespruch: wild horses, wo wilde Frauen immer wollen). Man hätte es auch „freilaufende Hühner“, „Schlampenstadl“ oder „Sex in der Wüste“ nennen können. Hilfsbereit wie so viele Männer unvermittelt gegenüber hübschen Frauen seien können, sehen wir Sexarbeiterinnen beim Umzug in den einzigen legalen Puffs im Staat Nevada und der Reporter packt mit an. Ein Immobilienmakler (hat das Geld) und eine Ex-Prostituierte (hat Ideen und Erfahrungen) verliebten sich vor gerade mal zwei Jahren während des Geschlechtsverkehrs ineinander, heirateten und eröffneten jetzt dieses vier Millionen Dollar Wüstenbordell. Hier soll es anders zugehen als „komm-rein-Geld-her-fick-mich-hau-ab“.

Der Reporter stellt natürlich auch profane und zu erwartende Fragen: warum arbeitet nur eine so intelligente Frau als Prostituierte? „Soll ich das ehrlich beantworten? Ich bin einfach zu faul für einen anderen Job.“ Auf ihre kecke Frage „noch ein Blowjob gefällig“ zieht sich der Reporter mit eingezogenen Schultern peinlich berührt zurück. Wir sind bei den Proben der Vorstellungsrunden dabei, wo die Chefin ihren Wüstenmädels ein Vorbild ist und es vormacht. Schultern zurück, aufrecht gehen, auffordernd lächeln und vermitteln „Hey, mit mir macht’s Spaß“. Der Reporter schaut unter seiner Harry-Potter-Gedächtnisbrille beeindruckt aus. Es gibt in diesem Bordell einen separaten Raum, wo verhandelt werden muss und wo Geschlechtskrankheiten oberflächlich gecheckt werden – dieser Raum wird akustisch von der Bordellleitung überwacht.

Edelpuff in der Wüste

Bild: ProSieben

„Ich bin noch jung und dann die vielen Hundertdollarscheine. Das macht mich an. Ich verdiene richtig viel Geld“, sagt stolz die mit ihrem blonden Langhaar spielende Emely. Dann wagt der Reporter den Kontakt zur unbekannten Spezies Bordellkunde, wobei seine hochgezogenen Schultern neuen Verkrampfungsrekord zeigen. „Ich war schon unzählige Male im Puff, ich verlor meine Unschuld als Teenager in einem Bordell in Mexiko, ich lebe eher zurückgezogen, hätte ich eine Beziehung, würde ich niemals hierher kommen.“

Es ist in der Folge vor allem beeindruckend zu sehen, dass die Horizontaldamen einfühlsam und mit großer Menschen- und Männerkenntnis mit ihrer Klientel umgehen, die zum Abschied sogar Rührendes stammeln: „danke, möge es das Leben gut mit dir meinen.“ Eine Sexarbeiterin kommt nach ihrem Anbahnung- und Geschlechtskontrollgespräch zum Reporter geeilt. „Der ist so groß, was mach ich nur? Ihn in ein großes Hotdog-Brötchen legen? O Gott, der ist ries ig, monströs.“ Am Ende des Session hat der Kunde bei der Verabschiedung Tränen in den Augen und die Sexarbeiterin berichtet aus ihrer Sicht, wie es lief: er hat die falsche Gleitcreme benutzt, die hat gebrannt, er hat die CDs runtergeschmissen, ich musste ständig die Kondome wechseln, das hat genervt, sonst war es okay, ich hatte es aber wirklich schon besser.

Die Chefin des Hauses ist eine ausgezeichnete Deep-Throaterin. Sie erklärt mal eben den Trick. „Mein Mund ist zwar klein, aber ich kann meinen Kiefer ausrenken. Du darfst dabei nicht schlucken. Man spürt die Spasmen im Mund wie ein leichtes Zittern, dadurch kann er nicht noch weiter nach unten.“

Ein Stammkunde ist ein Girlfriendsex-Bucher, der auch mal mit der Chefin des Hauses anbandelte. Er will nur küssen, keinen Sex. Er wollte sie heiraten? Was habe sie denn davon abgehalten, fragt der Reporter schelmisch. „Gesunder Menschenverstand“, antwortet sie schlagfertig und nur zu nachvollziehbar. Man mache hier aus Phantasie Realität, aber was auch immer wir da realisieren es ist ein Geschäft. Der Reporter fasst am Ende zusammen, dass Prostitution Betrug an der Liebe sei. „Na und“, antwortet die Bordellchefin, „was im Leben ist denn schon ehrlich?“