Taugt dein Zauberstab zum Pornostar?

Pornofilmkritik: „frisch gecastet – Teamarbeit ist alles“ (MJP)

Die Berliner Pornodarstellerin Sidney Love, im Film zumeist mit Prüferblick und Schreibunterlage aktiv, unterzieht im Duett mit ihrer fleißigen Kollegin Susanne, die seit Jahren einen hochanerkannten Stammplatz in der Gangbangkultur der Hauptstadt besetzt, Männern wie du und ich einem pikanten Tauglichkeitstest. Freiwillig unterziehen sich dabei nämlich kamerageile Bewerber einer gründlichen Praxisprüfung, um sich von den beiden Profi-Frauen schlussendlich auf ihre Standfestigkeit nebst Spritzfreudigkeit bewerten zu lassen. Eine originelle Idee.

Susanne war lange Jahre im Charlottenburger Kiez beheimatet, um dort die wohl reellste sexuelle Dienstleistung von Berlin anzubieten, nach dessen Besuch einem als Gast tagelang dieses zufriedene Grinsen ins Gesicht gemeißelt stand. Aus der Frau mit dem sensationellen Girlfriendsex, eine Art echter Kumpel mit Titten, entwickelte sich eine Wunderwoman für Herrenüberschusspartys. Sie ist zur festen Größe der Szene geworden, überzeugt nachwievor mit ihrer agilen Berufsauffassung, ließ jedoch vor einem Jahr ihre nicht mehr ganz so festen Brüste operieren, was, meiner persönlichen Meinung nach, so gar nicht mit ihrer sonst so natürlichen Ausstrahlung übereinstimmen will. In diesem Film hat sie noch ihre wunderschöne Naturoberweite.

„Ich bin nicht aufgeregt, ich bin schon geil. Hoffentlich es sind keine Minischwänze und wir müssen die Lupe holen“, antwortet Susanne keck in die Kamera blickend nach der kleinen Eröffnungsrede ihrer Kollegin Sidney. Im Tigerslip mit schwarzem T-Shirt setzt sich der fünfzigjährige Sascha auf die Bewerbungscouch, nein, das Bewerbungsbett, wo er als Grund für seine Castingteilnahme angibt, dass er hier die Chance auf künstlerische Verwirklichung sähe. Die Antwort ist bestimmt seiner sichtbaren Aufregung geschuldet. „Du musst spielen, du liebst mich“, sagt Susanne und fordert von Sascha eine Brustmassage bei ihr ein. Das wirkt herzerfrischend locker, schelmisch bis komisch. Anschließend hält er in der Doggy-Position gut eine Minute durch, vollendet sein Werk auf ihrer Arschbacke und Susanne entfleucht ein „och, schon?“.

Als Sascha das Zimmer verlassen hat, fachsimpeln die beiden Profis über ihn. Das ist einerseits amüsant, andererseits ist es ein wenig ehrverletzend für den Delinquenten, wenn er über sich hört: „komisch, normalerweise spritzen nur junge Männer so schnell … er ist optisch ja nicht so … er hat Hämorriden, ist ja nicht so prickelnd.“

Kandidat Nummer zwei heißt Enrico, gibt im Vorab-Interview an, schon Erfahrungen auf Partys gesammelt zu haben, weil er der Erotik aufgeschlossen gegenüber stände. Sidney bekommt ein Lob für ihre Blaskünste und sie revanchiert sich mit einem Lob dafür, dass sein Schwanz währenddessen steif geworden sei. Höre ich da eine gewisse Ironie raus? Enrico schlägt sich beim Doggy und beim Spoon (Löffelchenstellung) recht gut, allerdings braucht er geschlagene sieben Minuten um sich selbst wichsend zum Orgasmus zu bringen, wobei sich die beiden Aktricen alle Mühe geben ihn zu reizen. Als Mann fühlt man in dieser Situation wahrlich mit Enrico mit und so sind wir gleichsam mit ihm erleichtert, nachdem er endlich abspritzen konnte. Urteil der Jury: „mir hat beim Ficken so ein bisschen der Bums bei gefehlt.“

Andi ist der nächste Nummernboy und ist sehr aufgeregt, bekommt seine Nervosität jedoch nach einer kleinen Anlaufzeit in den Griff, agiert mit Susanne bemüht. Er wichst ihr am Ende durchaus sehenswert auf ihre wirklich tollen Titten, was sie mit „heiße Dusche“ stimmig kommentiert. Sehenswert dann Susannes versierter Griff zu den Küchenrollen, wobei sie ein Tuch geschmeidig- schnell um Andis Schwanz wickelt und mit einem anderen das Geschmadder von ihrem Oberkörper wischt. Sidney und Susannes Benotung hinterher: „Standfestigkeit war nicht ganz so dolle.“

Last man standing: Patrick. Einmalig ist übrigens immer, wenn der Slip der Herren fällt. Die Mimik der Damen ist entlarvend und beim Sehen seines Einsatzgerätes meine ich diesmal ihre Gesichtszüge kurz entgleiten gesehen zu haben. Sie kriegen dann vereint die kleine Aufgabe zum Stehen. Doch die scheinbar so geringfügige Obliegenheit erweist sich als anspruchsvoll, als zu anspruchsvoll. „Der Mensch ist eben keine Maschine“, lautet die desaströse Verabschiedung des Prüflings, der ohnePenetration und ohne Ejakulation die Weltbettbühne verlässt. Wie lautet das Frauenurteil als sie alleine unter sich sind? „er ist so ein softer Typ, wichtig wäre natürlich, dass er ihm mal steht.“

Man hält es kaum für möglich, es gibt im Anschluss noch etwas Besseres zu sehen als diese Einzeltreffen zweier geiler Frauen mit insgesamt vier Männern auf der Suche nach ihrem Talent: Gangbang. Das Werk lebte ja bislang von Schadenfreude und Peinlichkeit, aber es weiß sich zumindest in diesen Punkten eindeutig zu steigern. Von der vaginalen Front gibt es bei der Orgie wenig Positives berichten, da der Härtegrad der männlichen Geschlechtsorgane stellenweise besorgniserregendes Stirnkräuseln bei Sidney und Susanne auslöst. „Na, kommt bei dir noch Sahne?“, fragt eine der Damen an, während sie beide dazu übergegangen sind dem Rumgestochere ein Ende zu setzen, um wenigstens noch was fürs Zuschauerauge per Handjob zu entlocken.

„Nicht viel, aber besser wie gar nichts“, analysiert Susanne die kümmerlichen Kleckser, die ihre lautstarke Wichs-Hospitanz immerhin aus zwei Männern erbettelt. Und sogar ein dritter Casting-Absolvent schafft noch sein Katapult liquide von der Spannung zu lösen. Ich beneide die Männer zu Drehende um ihr unerschütterliches Selbstvertrauen, anders kann man wohl nicht deuten, dass sich alle Prüflinge in Eigenbewertung mit sehr gut zu benoten erdreisten.