Venus 2013 Teil 1 – so klein kann gross sein

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Jeder Mensch, ob Besucher oder Redakteur, hat eine Vorstellung, was ihn erwartet, wenn er eine Messe besucht, welche als weltgrößte ihrer Art angekündigt wird. So natürlich auch ich. Wird ein Tag reichen, einmal durchzukommen ? Werden zwei Tage reichen, um alles zu sehen, alle Fotos zu machen und alle Gespräche zu führen?

Um keine Zeit zu verschwenden, fand ich mich pünktlich zur Eröffnung am Check-in ein-. Eine freundliche Dame wies mich darauf hin, dass in einer halben Stunde die große Eröffnung, Grand Opening, sei.  „Durch Halle 20 gehen und in Halle 21 ist dann die Showbühne. Grand Opening! Frau Wollersheim und Frau Schäfer werden persönlich die Messe eröffnen!“ Dies galt es natürlich nicht zu verpassen!

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Da noch Zeit war, schlenderte ich gemütlich durch besagte Halle 20. Der übliche Mix an Ständen erwartete mich. Überall mal einen Blick riskiert und dann rein in die nächste Halle. Diese war mäßig gefüllt, lediglich eine Reihe von Ständen säumten die Hallenwände, auf dem Weg zur Showbühne.

Pünktlich dann setzten die Posanuen von Jericho ein, so sehr dröhnte der Sound aus der Musikanlage. „Laut können sie“, dachte ich noch, denn die Dezibel reichten wirklich, eine startenden Jet zu übertönen.

Conny Dachs, unermüdlicher Pornoschaffender der Branche, kündigte Micaela Schäfer und Frau Wollersheim an, die Gesichter der Venus, welche nun vereint vor das versammelte Publikum treten sollten und die Venus eröffnen. Dies geschah auch und ich möchte unseren Lesern die Rede wörtlich zitieren: „…“

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Tatsächlich, die beiden Gesichter der Venus standen da, präsentierten sich lächelnd und sagten kein Wort. Hätte der wackere Conny Dachs nicht irgendwann die Messe für offiziell eröffnet erklärt, so stünden wir wohl jetzt noch alle dort.

Wie ist dieses Schweigen erklärbar, dachte ich ? Meine Erklärung: es heisst ja „Gesichter der Venus“ und nicht „Münder der Venus“! Eine Rede zu halten und die Besucher zu begrüßen stand wohl einfach nicht im Vertrag. Übrigens; ich habe noch nie gesehen, dass jemand einer Schaufensterpuppe so ähnlich sah wie Micaela bei dieser Eröffnung.

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Es folgte ein Auftritt aller anwesenden Models, welcher durchaus ansehnlich war dem entsprach, was man sich erhoffte, auf einer Erotikmesse mit Anspruch zu finden und zu sehen. Dem Posing folgte eine Band, die „Schlaffe Brüder“ oder so ähnlich, hieß. Diese bemühten sich sehr, wie Rammstein zu erscheinen, was aber niemand vom Hocker riss, wenn man die Reaktionen im Publikum sah. Und dies, obwohl Frau Wollersheim zur Musik mit den Armen wedelte. Dann war es vollbracht und so habe ich das Grand Opening erlebt.

Dass diese Wahrnehmung sehr subjektiv ist, zeigt die offizielle Pressemitteilung derselben Begebenheit, die zwischenzeitlich veröffentlicht wurde.

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Zitat Pressemitteilung Venus: “ Für großes Furore sorgte gleich zu Beginn das Grand Opening mit der Band „Schlafes Bruder“. Gemeinsam mit den beiden VENUS-Gesichtern Micaela Schäfer und  Sophia Wollersheim performten die Mytiskrocker zu rockigen Tönen und zeigten Medienvertretern sowie Besuchern und Fans eine unvergessliche Show.“

Unvergessliche Show!? Nun, vielleicht gab es zwei unterschiedliche Openings und ich war auf der falschen Show gewesen. Vielleicht gilt auf der Venus für „unvergesslich“ ein anderer Maßstab als in der deutschen Provinz? Wer weiss.

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Nun, die Spiele waren eröffnet, die Spiele mögen beginnen. Also zurück zum Eingang geschlendert, die andere Seite der ersten Halle entlang. Mal hier geschaut, mal dort ein paar Worte gewechselt, die Messe konnte für mich beginnen. Am Eingang ließ ich mir einen Messeplan geben. Schließlich muss man sich ja orientieren und will den Überblick bewahren.

So, Halle 20 hatte ich gesehen, in 21 war die Showbühne….was gibt es noch ? Halle 18 und dann der Fetischbereich und dann….?

Ungläubig musste ich nach einer Stunde feststellen, bereits mehr als die Hälfte er Messe gesehen zu haben. Von insgesamt 26 Messehallen der ICC waren insgesamt gerade mal drei Hallen belegt. Einen Teil davon muss man noch abrechnen, weil er für Produzenten und B2B gedacht war. Das konnte doch nicht wahr sein ?! Doch, war es!

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Die Fetischhalle war schnell abgehakt. Ein paar Aussteller für Fetischklamotten eben. Aber schön ruhig ! Kein Ramtamtam wie anderswo und so wuchs mir diese Halle als Ort der Ruhe schnell ans Herz, wenn es etwas zu besprechen gab oder ich einfach einen Moment relaxen wollte.

Dann noch Halle 18, wo, im wesentlichen, die Produzenten residierten.  Ich sah wichtige Menschen an kleinen Tischen sitzen und in wichtige Gespräche vertieft. Es war klar: hier bist Du überflüssig! Die sind sich alle selbst genug! Beispiel: ich wollte bei einem bekannten deutschen Label eine kurze Frage stellen, aber 8 Leute Standbesetzung waren so mit sich beschäftigt, dass sie es schafften, mich mehrere Minuten komplett zu ignorieren. Natürlich gibt es auch viele schöne Dinge zu berichten, auch positive Produzentenkontakte! Aber dazu mehr im zweiten Teil des Berichtes.

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Weitere Eindrücke: Bert Wollerheim ist klein. Bestimmt ein netter Mensch, er kam recht sympathisch rüber. Aber neben seiner Frau, wirklich einem Monument von Frau, wirkte er noch kleiner, fast verloren. Aber was die Liebe zusammenbringt, das soll der Mensch nicht trennen! Berti, Respekt, Du traust Dich was !

Micaela Schäfer? Sie hat eine tolle Figur, das muss man ihr lassen. Gelegentlich lief Micaela, strikt bebodyguarded, ziemlich nackt durch die Hallen und schien immer etwas orientierungslos. Gerne wäre ich hingegangen und hätte einfach gefragt: „Kann ich helfen?“ Oder hätte sie einfach in den Arm genommen und so etwas wie: „Keine Sorge, alles wird gut !“ gesagt. Aber dann hätte es mit der Security wahrscheinlich Stress gegeben. Die sahen alle  aus wie aus einer US Serie. Schicker Anzug, ernster Blick…..bloss nicht ansprechen.

Fazit des ersten Eindruckes: ich war erschrocken, wie klein diese größte Messe der Welt geworden ist. Ein Eindruck, der mir vielfach bestätigt wurde. Woran auch immer dies liegen mag, meine Erwartung und die Realtität lagen doch deutlich in Diskrepanz.

In Teil zwei kommen wir dann zu den positiven Kontakten und Erlebnissen. Denn,  so klein die Venus auch war, einen guten Kern hatte sie doch,  über den ich gerne berichte!