Domestizierte Verpartnerte treffen sich zum Indianerspiel

Fernsehkritik: „Wann ist ein Mann ein Mann – das starke Geschlecht in der Krise“  (3sat)

Wozu hat uns Männer die moderne Frau gemacht: zu lammfrommen Sitzpinklern, zu verständnisvollen Zuhörern, zu gebändigten Kraftmaschienchen, zu nachsichtigen Wunschablesern von Frauenempfindungen, ja zu dressierten Liebhabern, die stets nach weiblichen Zuruf ihren Mann stehen. Aber wollen Männer wirklich so sein? Es trifft sich zum Raushängen urwüchsigen Herrenrituale eine Männergruppe in einer einsamen Region Deutschlands, übernachtet in Wigwams, trommelt sich lautstark seinen Frust von der Seele und redet mal unter Gleichgesinnten darüber, wie anstrengend das heute so ist ein Mann zu sein.

„Früher gab es klare Werte, was es bedeutet ein Mann zu sein. Seit der Emanzipation ist alles so kompliziert geworden“, analysiert ein verheirateter Ehemann, der zum Workshop ins improvisiert aufgebaute Indianerdorf in die Eifel pilgerte, um sich endlich mal wieder als Mann zu spüren. Natürlich treffen sich hier nur Männer – Frauen stören nur bei der richtigen Mannwerdung. „Die pure Kraft des Mannes braucht heute keiner mehr – heute geht es um Kommunikation und Netzwerke aufbauen, da drin sind Männer nicht so gut wie Frauen. Im Beruf muss man sich ständig anpassen, darf aber nie der sein, der man ist.“ Im Indianerzelt bei einer Art Gesprächstherapie reden sie über sich und ernten bei ihren Geschlechtsgenossen Verständnis. Viele sind beruflich erfolgreich, dennoch sind es vollkommen unterschiedliche Typen, die eines eint: sie sind alle mit starken Müttern aufgewachsen. Und das hat Spuren hinterlassen. „Es gibt doch kaum freie Männer, die meisten si nd heutzutage brav und ordnen sich fast bedingungslos den Bedürfnissen ihrer Partnerinnen unter“, sagt der Seminarleiter des Indianerworkshops.

Dann lernen wir eine Brotfabrikantin kennen, die sich selbstverwirklichte indem sie den Preis des „Spritzenvaters des Jahres“ ins Leben rief, womit sie insbesondere Männer auszeichne, denen fern aller Rollenklischees eine glückliche Beziehung gelänge. Die Auszuzeichnenden muss sie mit der Lupe suchen, noch sind nämlich Männer, die sich in ihrer verweiblichen Rolle wohl fühlen, eine Rarität. Leider versäumt es die Dokumentation einen kleinen Thememschwenk zu machen, um zu hinterfragen, ob Frauen in ihrem vermännlichten Lebensbild immer so zufrieden sind. Wollen Frauen nicht manchmal beherrscht, geführt werden und sich dem Mann unterordnen?

Aber vielleicht liegt im Überwinden von Männerklischees die Chance, sich endlich zu befreien. Gerade vom immensen Erwartungsdruck der Frauen an die Männer. „Wir brauchen eine Männerbewegung. Wir Männer müssen uns klar machen, dass wir auch wer sind.“ Die Herrengruppe versucht dies bezeichnender Weise gerne ohne Worte. Sie tanzen um eine Feuerstelle, tanzen zum getrommelten Takt und sondern Urschreie ab. Sie wirken wie triebgesteuerte Neandertaler und vor allem ein bisschen komisch.

Resümee: der moderne Mann sucht sich noch und er möchte dabei nicht von Frauen gestört werden.